Bayerische Säger ziehen Bilanz zum Kalamitätsjahr 2017

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IHB MK
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Mitgliederversammlung 2017 VHK BayernAm 22. September hat sich der bayerische Sägewerksverband im VHK Bayern-Thüringen zu seiner jährlichen Mitgliederversammlung getroffen. Wegen Umbauarbeiten musste vom traditionellen Veranstaltungsort, dem Paulanerkeller auf dem Nockherberg in den Augustiner Schützengarten ausgewichen werden, der sich aber als ebenso geeignet erwies. Eines der Kernthemen waPeter Fickler am TimberTrainerr die aktuelle Kalamitätssituation in Bayern und der Umgang mit ihr. Aber auch zur Feuerversicherung gibt es etwas Neues.

Bereits vor der Sitzung konnten die Säger ihre Fähigkeiten am DeSH-TimberTrainer unter Beweis stellen. Erstmals war darüber hinaus der Bundesverband DeSH Mitveranstalter der Mitgliederversammlung, neben dem VHK Bayern-Thüringen.

Fickler: Sägeindustrie 2017 durch Kalamitäten gebeutelt

Peter FicklerZu Beginn der Veranstaltung zog der Vorsitzende des Fachbereichs Sägeindustrie Peter Fickler Bilanz über die zurückliegenden Monate und sieht die Sägeindustrie gebeutelt durch Sturm und Käfer. Das angefallene Sturmholz könne man zu großen Teilen nicht als Sägeholz verwenden. Durch den schweren Käferbefall in diesem Jahr gebe es viel Holz minderer Qualität, für das es jedoch nicht genügend Abnehmer gebe. Durch dauernd wechselnde Holzqualitäten müsse man auch die Kundschaft ständig umstellen. Permanent bekomme er in diesen Tagen Reklamationen wegen Bläue. „Die ist zwar laut Norm zulässig, aber die Kunden wollen nun mal kein blaues Holz!“, macht Fickler klar. Deshalb mahnt er an, den Frischholzeinschlag nicht völlig zu vernachlässigen. „Wir brauchen weiße Qualitäten!“

Zusätzlich Sorgen mache den Sägern in Bayern die Aussicht auf einen neuen Nationalpark, der das Rohholzangebot, das in diesem Jahr durch die Kalamitäten einen hohen Brennholzanteil habe, dauerhaft schmälern würde. Fickler appelliert deshalb an die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf: „Wenn schon einen Nationalpark, dann nicht unbedingt da, wo Holz steht!“

Gegenüber Gas ist Holz als Brennstoff derzeit offenbar mancherorts zu teuer. So berichtete Peter Fickler von Heizwerken im Allgäu, die von Holz auf Gas umgestellt haben. Möglicherweise steckt auch die drohende Verschärfung der Immissionsgrenzwerte für mittelgroße Heizanlagen dahinter. Sie muss eigentlich bis Ende 2017 in Deutschland umgesetzt werden, der Zeitpunkt wird aber aller Voraussicht nach nicht gehalten werden.

Angesichts der aktuellen Kalamitäten seien weitere Nasslagerplätze auch im Privatwald unbedingt nötig, so Fickler. Oft sei deren Anlage aus Umweltschutzgründen jedoch schwierig. Weiter erschwert werde die Situation durch ein jetzt notwendiges Pflanzenschutzzeugnis für Personen die Käferschutzmaßnahmen am Rundholz durchführen wollen. „Für Säger sind solche Maßnahmen jetzt dadurch nicht mehr möglich“, sagt Fickler.

Dauerbrenner ist nach wie vor die Personalsituation. Beispielsweise könne die Metallindustrie für vergleichbare Stellen bis zu 100% mehr zahlen und schnappe der Sägeindustrie die Leute weg. Dazu kommt das EEG, durch das sich kleinere Betriebe benachteiligt sehen. Als neue Herausforderung führt Fickler den Fertigwarentransport an. Nach dem Rundholztransport herrsche jetzt auch beim Fertigwarentransport Fahrermangel, was zu Verzögerungen und Transportengpässen beim Warenausgang führe. Hinzu komme strengere Lenk- und Ruhezeiten. Einziger Lichtblick beim Transport sei die temporäre Erhöhung des zulässigen Gesamtgewichts beim Rundholz auf 44 Tonnen.

Ziegler: Holzabfluss besser steuern!

Josef ZieglerJosef Ziegler, Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbands zog Bilanz über drei Jahre voller Schwierigkeiten für die Waldbesitzer: 2015 der Sturm Niklas, 2016 ein Käferjahr mit drei Generationen, 2017 noch eines, noch schlimmer, und obendrauf dann noch Sturm Kolle im Bayerischen Wald. „Dort herrscht jetzt Wilder Westen“, sagt Ziegler. Und: „Kalamitäten hinterlassen nur Verlierer.“ Damit meint er insbesondere 21 Menschen, die 2017 bei der Waldarbeit ums Leben gekommen sind. Dazu kommen hohe Vermögensschäden bei den Waldbesitzern. Ziegler fordert eine bessere Steuerung des Holzabflusses im Kalamitätsfall, die Einrichtung von Automatismen, die sofort greifen. „Sonst sind wir immer zu spät!“ Dazu müssen mehr Nasslager kommen, um die Qualität der Hölzer zu konservieren, so Ziegler abschließend.

Röder: Fichte wird bleiben, aber Laubholznutzung forcieren!

Prof. Dr. Hubert RöderAls Fazit zum jüngst stattgefundenen Waldbesitzertag in Freising erklärte Prof. Dr. Hubert Röder von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf: „Die Fichte wird eine bedeutende Baumart bleiben!“ Allerdings gelte es neben den bedeutenden Anteilen, die das Nadelholz behalte, zusätzliche Potenziale im Laubholz zu erschließen: „Wir müssen wirtschaftlich interessante Wälder gründen!“, so Röder. Im Energieholzbereich sei ein Rückgang des Bedarfs an Scheitholz absehbar. Gründe seien unter anderem eine besser Dämmung der Häuser und damit einhergehend ein geringerer Wärmebedarf sowie strengen Abgas- und Feinstaubregularien. Dafür werden möglicherweise der Pelletbedarf und auch die stoffliche Verwertung von Holz steigen. Diese gelte besonders für das Laubindustrieholz, dessen Nutzungspotenziale ausgeschöpft werden müssen, da hier in näherer Zukunft mit einem vermehrten Anfall zu rechnen sei. Insbesondere die chemische Industrie sei in diesem Feld ein interessanter Partner. Gerade hier fehle ein bayerisches Förderprogramm. Für die chemische Nutzung von Holz gebe es nur Bundesprogramme. Um eine effektive Förderung aufzubauen seien Landwirtschafts- und Wirtschaftsministerium gleicherma0ßen gefragt. Ansonsten könnte Bayern den Anschluss in der Bioökonomie verpassen, warnte Röder.

Ametsbichler: Händler sind Regulativ!

Johann AmetsbichlerJohann Ametsbichler, Vorsitzender des Verband der Rundholzhändler und Forstdienstleister, bezeichnete seine Zunft als unverzichtbaren Bestandteil er Holzlieferkette. Wie schon früher bezeichnete er die Händler als Regulativ gegen monopolistische Strukturen, die seiner Ansicht nach durch die enge Zusammenarbeit von Forstämtern und Waldbesitzervereinigungen/ Forstbetriebsgemeinschaften geschaffen werden. Staatliche Stellen würden an dieser Stelle zu einseitig beraten, sagte er und plädierte für einen freien Wettbewerb, der im Interesse aller sei.

Remler: Ethikausschuss für richtigen Umgang nötig!

Norbert RemlerNorbert Remler, Leiter Verkauf und Logistik bei den Bayerischen Staatsforsten (BaySF), bedankte sich zunächst bei den Sägern für die gute Zusammenarbeit „in düsteren Zeiten“. Nur um direkt darauf abzuwiegeln, so schlimm sei es gar nicht. 2017 gebe es ein leicht erhöhtes Käferholzaufkommen und kein Problem bei der Vermarktung im Rahmen bestehender Verträge. An die Säger gerichtet und mit Bezug auf die einleitenden Äußerungen Peter Ficklers sagte Remler, die Situation der Säger sei „derzeit hervorragend“. Es gebe auskömmliche Preise und eine sichere Holzversorgung. Angesichts dessen sei das Verhalten einiger Holzabnehmer im niederbayerischen Sturmgebiet „schäbig“. Das gelte auch für die Verhandlungen um die RVR (Rahmenvereinbarung für den Rohholzhandel), bei denen ein Sägewerksvertreter einfach den Saal verlassen habe. Man müsse deshalb Ethikfragen im Umgang miteinander durch einen Ausschuss klären lassen. Lars Schmidt, Hauptgeschäftsführer des DeSH, warf der Forstseite daraufhin vor, bereits erzielte Ergebnisse in der RVR müssten aufgrund der Blockadehaltung des Forstes neu verhandelt werden (siehe Kommentar). Zur Situation bei de BaySF sagte Remler, Frischholz, auf dessen Einschlag die Säger weiter pochen, werde zu normalen Preisen jederzeit geliefert. Der bis Ende November geltende Einschlagstopp werde regional möglicherweise verlängert.

Nossol: Logistik hinkt hinterher

Leonhard NossolLeonhard Nossol, Präsident der AGR, sagte, die Forst- und Holzbranche müsse nach außen geschlossener auftreten. Gerade im Bereich Logistik, mahnte er an sei da noch nicht genug passiert. Die notwendige Entwicklung werde sich noch Jahre ziehen. „Wenn anderen Länder mehr zulassen, wie zum Beispiel 60-Tonnen-LKW, dann fallen wir weiter zurück“, so Nossol wörtlich. Darüber hinaus würden die Folgen von Flächenstilllegungen von politischen Entscheidern zu wenig berücksichtigt. Immerhin jedoch, so Nossols positiver Abschluss, habe man durch eine gute Zusammenarbeit aller betroffenen Akteure den Nationalpark Frankenwald verhindert.

Münchener Rück: Neues von der Feuerversicherung

Stefan Leser und Eckhard Schäpe von der der Münchener Rückversicherung berichteten Neuheiten über ein für die Sägeindustrie im wahrsten Sinne Wortes brandheißes Thema, die Feuerversicherung. Die Münchener Rück prüft derzeit technische Systeme zur Detektion von Brandherden auf ihre Versicherbarkeit. Dazu gehören Bewegungsmelder, beispielsweise zur Verhinderung Brandstiftung und Kameras zum schnellen Aufspüren bereits entstehender Brandherde. Wird ein oder mehrere Systeme für versicherbar erklärt, könnten die Versicherungssätze für die Sägeindustrie und die für einen Versicherungsschutz notwendigen Anlagen deutlich günstiger werden.

Hörr: Auch in Ausbildung investierenPeter Hörr

Abschließend und direkt, bevor es auf das Oktoberfest ging, appellierte Peter Hörr, Leiter des LHK in Rosenheim, an die Sägewerke auch in die Ausbildung zu investieren. Immerhin neun von zwanzig Teilnehmern im neuen Meisterkurs des LHK seien Unternehmensnachfolger, freute er sich. Und auch auf den TimberTrainer als Möglichkeit für Schulungen und Trainings wies Hörr noch einmal hin.

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