Kommentar zu RVR-Gerangel: Wer schreibt, der bleibt

Quelle:
Marc Kubatta-Große
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„Wer schreibt, der bleibt“, diese alte Kartenspielerweisheit, die auf die Möglichkeit des Aufschreibenden hinweist, das Spielergebnis zu seinen Gunsten zu frisieren, hat offenbar auch bei der Drucklegung der Rahmenvereinbarung für den Rohholzhandel in Deutschland (RVR) Pate gestanden. So mahnte vor einigen Tagen der Deutsche Säge-und Holzindustrie Bundesverband (DeSH) die fehlerhafte Umsetzung bereits erzielter Verhandlungsergebnisse bei der RVR an.

Gerade der öffentliche Waldbesitz mit seiner Vorbildfunktion würde die RVR häufig nur in Teilen umsetzen, nachteilige Passagen würden abgeändert. Als konkretes Beispiel hat DeSH-Hauptgeschäftsführer Lars Schmidt eine Passage zur Käferholzsortierung angeführt.

Diese lautet: „Zur Qualitätsklasse C gehört frisches vom Borkenkäfer befallenes Holz mit beginnender oberflächiger Verfärbung, weitgehend fester Rinde und weißem Stammmantel.“ Zumindest im RVR-Ergebnisprotokoll vom 18.02.2014 sei dies noch so gewesen, erklärt Schmidt. In der publizierten 2. Auflage der RVR von 2015 fehle die Passage jedoch.

Richtig merkt der DeSH an: „Die 2015 eingeführte Rahmenvereinbarung für den Rohholzhandel in Deutschland (RVR) soll als bundeseinheitliche Grundlage für Verträge zwischen Forst- und Holzwirtschaft dienen.“ Mit einer entsprechenden Ernsthaftigkeit sollten also die Verhandlungen um die RVR geführt werden. An der bekommt der geneigte Beobachter jedoch Zweifel, angesichts dieser einfach weggelassenen, obwohl bereits vereinbarten, Passage. Das sei zwar lediglich ein redaktioneller Fehler und sollte als solcher behandelt werden, so der DeSH. Eine Korrektur desselben sei jedoch bislang an den Vertretern der Forstseite in den Gremien der RVR gescheitert.

Nun kann man natürlich die berechtigte Frage stellen, warum weißes Holz, auch wenn vom Borkenkäfer befallen, in Güteklasse C absortiert werden sollte. Es liegt schließlich kein Holzfehler vor. Klar, dass die Vereinbarung dem Forst nicht passt. Jedoch lautet das Verhandlungsergebnis nun einmal so und ist laut dem Grundsatz „Pacta sunt servanda“ (Verträge sind einzuhalten) auch umzusetzen. Eine andere Auslegung wegen einer – mutmaßlich unabsichtlich – fehlenden Passage scheint hier fehl am Platz.

Einer der angesprochenen Vertreter der Forstseite ist Norbert Remler, Leiter Verkauf und Logistik bei den Bayerischen Staatsforsten, nach dessen Schilderung ein Vertreter der Sägeindustrie, mutmaßlich aufgrund ausbleibender Einigung, bei den RVR-Gesprächen, einfach den Verhandlungsraum verlassen hat. Dazu komme, abseits der RVR, das „schäbige“ Verhalten einiger Holzkäufer nach dem Sturm „Kolle“, so dass Remler der Ansicht ist, ein Ausschuss solle Ethikfragen im Umgang zwischen Forst- und Sägewerksvertretern regeln.

Was sich so anhört wie Geschichten über pubertierende Jugendliche, ist also offenbar tatsächlich Alltag an den Forst- und Holz-Verhandlungstischen. Die einen ignorieren geschlossene Vereinbarungen, die anderen verlassen schmollend den Saal. Die RVR-Verhandlungen scheinen also (mal wieder) in der Sackgasse zu stecken, nachdem es bis zu ihrer Unterzeichnung bereits geschlagene sieben Jahre gedauert hat. Eine verlässliche Rundholzsortierung ist jedoch unabdingbar für einen reibungslosen Handel mit einem immer stärker gefragten Rohstoff. Ohne sie kommt es um jeden Holzpolter zum Gerangel und Gefeilsche. Die Verantwortung der Verhandlungsführer ist nicht zu unterschätzen.

Dazu kommen derzeit, wie bei allen Kalamitäten, Glücksritter und Goldgräber, die billiges Sturmholz abgreifen wollen. Man bekommt den Eindruck, dass der viel beschworene Cluster Forst und Holz, der es hinsichtlich Größe und Marktbedeutung mit der deutschen Automobilindustrie aufnehmen kann, in den Köpfen zahlreicher Marktteilnehmer schlicht nicht existiert. Die beschriebenen Scharmützel machen deutlich, dass zumindest Teile der Branche ihren Geschäftspartnern nicht das Schwarze unter dem Fingernagel gönnen. Die Branche schwächt sich durch diese unnötigen Gefechte selber. Und das kann sie sich bei dem kräftigen Gegenwind vom Naturschutz gerade jetzt nicht und vermutlich nie mehr leisten. Richtigerweise forderte deshalb Leonhard Nossol in München ein geschlossenes Auftreten der Branche.

“Quidquid agis, prudenter agas et respice finem”, lautet eine auf Äsop zurückgehende Weisheit: „Was immer du tust, handle klug und bedenke das Ende.“ In diesem Sinne wünschen wir den weiteren RVR-Verhandlungen und auch der Sturm- und Käferholzvermarktung ein gutes Gelingen.

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